05.08.2022

Finanzplanung: ein zentrales Instrument bei der Planung der Unternehmensnachfolge

Wer ein KMU führt, steckt in der Regel sehr viel Herzblut, Arbeitsstunden und Energie in seine Firma. Die Zeit für eine detaillierte Auseinandersetzung mit den privaten Finanzen und deren Entwicklung, insbesondere nach Erwerbsaufgabe bzw. Übergabe des Betriebs, fehlt.

Hier setzt die Finanzplanung an. Dabei unterscheiden wir die betriebswirtschaftliche von der privaten Finanzplanung. Eine professionelle Finanzplanung umfasst sämtliche relevanten Themen. Dazu gehören in der privaten Planung zum Beispiel Vorsorge, Steuern, Liegenschaften/Hypotheken, Wertschriften, Inflation, Nachlassregelung und Unternehmensnachfolge. In der betriebswirtschaftlichen Planung gilt es zukünftige Tendenzen, Investitionen und Finanzströme im laufenden Betrieb abzubilden. Dieser Artikel fokussiert in erster Linie auf den privaten Teil. Konkret werden im Finanzplan die Einnahmen, die Ausgaben und die Vermögensentwicklung auf einer Zeitachse ausgelegt. Im stark vereinfachten Beispiel sieht man wie nach der Erwerbsaufgabe (2024) eine Einkommenslücke entsteht. Denn oft reichen die Einnahmen aus AHV- und Pensionskassenrenten nicht aus, um die gesamten Ausgaben zu decken.

Es gilt die Einkommenslücke mit angespartem Vermögen (Konto, Wertschriften, Vorsorgeguthaben, Liegenschaften, andere) abzusichern, um den gewohnten Lebensstandard weiterhin aufrecht erhalten zu können. Hier spielt auch der Erlös aus dem Verkauf der eigenen Firma eine wichtige Rolle, bildet diese doch bei vielen Unternehmerinnen und Unternehmern einen beachtlichen Teil der persönlichen Altersvorsorge. Grundsätzlich stellt sich die Frage, wie hoch der Firmenerlös sein sollte, um den Ruhestand langfristig zu finanzieren. Diese Frage sollte man frühzeitig angehen. Wir empfehlen spätestens ab Alter 45 -50 eine erste Finanzplanung zu erstellen, welche dann phasenweise nach Bedarf angepasst und mit der betrieblichen Situation abgestimmt werden kann.

Ist der Vermögensbedarf zur Finanzierung des Ruhestandes einmal definiert, kann für die Firmenübergabe auch der Spielraum für ein Darlehen an die kaufende Partei oder eine Zahlung in mehreren Tranchen festgelegt werden. Eine Finanzierungsunterstützung von der Verkäuferschaft kann den Verkaufserfolg beeinflussen, da so mehr Interessenten in Frage kommen. Wird die Unternehmensnachfolge familienintern geregelt, kann die Gleichbehandlung der Erben oder die Einhaltung von Pflichtteilen die Lösungsfindung erschweren. Wenn Klarheit über den langfristigen Vermögensbedarf besteht, können allfällige Schenkungen in Betracht gezogen und so die Nachfolge vereinfacht werden. Insbesondere bei familieninternen Lösungen sollte zwingend auch die Nachlassregelung frühzeitig angegangen werden.

Eine Finanzplanung ermöglicht die Gegenüberstellung von unterschiedlichen Varianten. Einmalige Entscheidungen wie die Bezugsform der Pensionskasse oder der Pensionierungszeitpunkt können fundiert gefällt und mit der Unternehmensnachfolge koordiniert werden. Ziele werden realistisch gesetzt und Massnahmen, wie die Anpassung der Rechtsform, der Bezug von Lohn und Dividende, die Anpassung der Pensionskasse, Pensionskasseneinkäufe oder das Herauslösen von Immobilien aus der Firma und ihre Sanierung, können geplant, terminiert und erfolgreich umgesetzt werden.

Die Planung ist es ein dynamisches Instrument, welches periodisch überprüft und nach Bedarf angepasst werden sollte. Sie vereint mehrere komplexe Themen und ermöglicht es, diese als Ganzes zu betrachten und ihre Wechselwirkung zu verstehen. Der Finanzplan verschafft Klarheit und einen guten Überblick über die mögliche Entwicklung und vermittelt so ein gewisses Sicherheitsgefühl. Fragen werden frühzeitig angegangen und geklärt. Die Unternehmerinnen und Unternehmer fühlen sich für die Zukunft gut vorbereitet und können sich voll auf ihre unternehmerische Aktivität konzentrieren.

Valentin Chiquet
Bsc HES-so in Betriebsökonomie

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