26.03.2021

Die Rolle des Verwaltungsrates in Krisenzeiten

Die Covid-19-Pandemie stellt zahlreiche Unternehmen vor mächtige Herausforderungen und versetzt einige davon in finanzielle Schieflage. Die Rolle des Verwaltungsrates eines in stürmisches Fahrwasser geratenen Unternehmens erfordert rasches und entschiedenes Handeln, wodurch auch etwaige Haftungsrisiken minimiert werden.

Die Pflichten des Verwaltungsrates ändern sich während der Covid-Krise nicht grundsätzlich. Er hat seine Führungsrolle jedoch besonders aktiv wahrzunehmen. In seiner zentralen und unübertragbaren Rolle als leitendes Organ der Gesellschaft hat der Verwaltungsrat die wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse des Unternehmens laufend zu überwachen und bei Bedarf die notwendigen Massnahmen zu ergreifen.

Nebst Sofortmassnahmen ist alles Vertretbare in die Wege zu leiten, um die Folgen der Krise für das Unternehmen und die Betroffenen möglichst einzudämmen. Bei Vorliegen eines Kapitalverlustes ist zudem eine Generalversammlung einzuberufen, in welcher konkrete Sanierungsmassnahmen zu definieren sind. Bleibt der gewünschte Turnaround trotz Bemühungen aus und besteht eine begründete Besorgnis einer Überschuldung, so hat der Verwaltungsrat unverzüglich eine Zwischenbilanz zu erstellen und diese einem zugelassenen Revisor vorzulegen.

Hilfe gegen Liquiditätsengpässe

Die behördlich angeordneten Massnahmen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie führen in erster Linie zu erheblichen Liquiditätsengpässen, die es durch geeignete Massnahmen im Rahmen einer Liquiditätsplanung zu bekämpfen gilt. Nebst diversen finanziellen Unterstützungsmassnahmen zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen, wie es beispielsweise die «À-fonds-perdu»-Härtefallbeiträge bieten, wurde den berechtigten Unternehmen bis zum 31. Juli 2020 einen unbürokratischen Zugang zu raschen Krediten ermöglicht, um krisenbedingte Liquiditätsengpässe kurzfristig zu überbrücken.

Die dafür mittels Notrecht erstellte Covid-19-Solidarbürgschaftsverordnung wurde durch das am 19. Dezember 2020 in Kraft getretene Covid-19-Solidarbürgschaftsgesetz ins ordentliche Recht überführt, was einige Änderungen mit sich brachte. Unter anderem wurde eine Verlängerung der Rückzahlungsfrist des Kredites von 5 auf 8 Jahre beschlossen, welche unter bestimmten Voraussetzungen um weitere zwei Jahre verlängert werden kann. Zudem ist das Erfüllen vorbestehender ordentlicher Zins- und Amortisationszahlungspflichten innerhalb einer Gruppenstruktur sowie Neuinvestitionen in das Anlagevermögen neu zulässig.

Keine Dividenden

Hingegen wurde von der Abschaffung der möglichen Zinsanpassungen abgesehen. Die Zinssätze von 0% bzw. 0.5% können somit nach wie vor auf Antrag des Eidgenössischen Finanzdepartements jährlich per 31. März und nach Anhörung der beteiligten Banken nach oben korrigiert werden. Auch wird am Verbot von Dividendenausschüttung, von der Auszahlung von Tantiemen und von der Rückerstattung von Kapitaleinlagen während der gesamten Laufzeit des Darlehens festgehalten.

Entscheidfindung offenlegen

In der gegenwärtigen und von Unsicherheiten geprägten wirtschaftlichen Lage ist eine objektive Analyse von Chancen und Risiken kein leichtes Unterfangen. Umso bedeutsamer ist es deshalb, als Verwaltungsrat den Entscheidfindungsprozess nachvollziehbar und frei von Interessenkonflikten zu fällen. Eine umsichtige Dokumentation nicht nur der Beschlüsse, sondern auch der Entscheidungsgrundlagen, der Diskussionen und den allfälligen Differenzen sollte deshalb gerade in hektischen Zeiten und trotz erschwerter Kommunikation nicht vernachlässigt werden.

Michael Münger
Partner, Teamleiter
mim@core-partner.ch

Fabio Jutztet
MLaw, Wirtschafts- und Rechtsberatung
fju@core-partner.ch

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